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In der Installtion 'Zerrfalten' von Nelson Vergara und Stephan Schulz werden Bewegungen in Zeit und Raum in ein einzelnes Bild zusammen gefaltet. Aneinander gereiht entsteht ein Dokument eines Zeitraumes in dem die Bewegungen des eigenen Körpers zu erkennen sind. Das Abbild setzt sich aus verschiedenen Momentaufnahmen zusammen und verändert sich je nach Abstand der Person zur Projektion im Raum. Desto mehr sich die Person der Projektion nähert, umso schmaler und detaillierter wird die dargestellte Linie. Sobald sich die Person weiter entfernt, verbreitern sich die Spalten und die Konturen werden unscharf. Das Bild des Besuchers zerr-gliedert sich einer Zwiebel gleich in verschiedene Zeitschichten, die sich nebeneinander reihen. Die entstandene Komposition ist beständiger Veränderungen unterworfen und kann durch eine zweite Person im Raum jederzeit wieder zerstört werden. Der Akt der Zerstörung birgt zugleich die Möglichkeit die ursprünglichen Einzelbilder der Komposition deutlicher zu erkennen - die Illusion festgehaltener Bewegung im Raum wird sinnbildlich durch den zweiten Benutzer entfaltet. Die Benutzer werden zu Erschaffern und Zerstörern subjektiver Bilder - sie stellen die Beziehungen zwischen den einzelnen Bildern her. Die Darstellung entzieht sich einer Fixierung durch die Bewegung und den Standpunkt der Benutzer und macht die Bedingtheit der Wahrnehmung sichtbar. Die Installation thematisiert das Verhältnis von Momentaufnahme und Bewegung in Zeit und Raum. Der Wechsel von Schärfe und Unschärfe erscheint wie eine Imitation der Netzhaut und spielt mit dem kleinsten Atom des Videobildes - dem Pixel. Ähnlich der Anfang des letzten Jahrhunderts von den Kubisten, Futuristen wie Duchamp geführte Auseinandersetzung über die Möglichkeiten der Darstellung von Realität in der Malerei im Verhältnis zur Fotografie überträgt die Installation die Fragen nach der Darstellung und Wahrnehmung von Raum und Zeit auf das Verhältnis von Video und Fotografie.

--- short description in English ---

In the reactive Installation 'Zerrfalten' by Nelson Vergara and Stephan Schulz, the dialectic between Creation and Demolition is brought into an open Dialogue through the visitor in that space.Who creates a Pictures and who destroys it? In this process the visitors image gets destroyed in many little segments, it 'folds'. At the same time a new pictures creates.The created composition is changing constantly and can be destroyed at any point through the action of a second visitor, it 'unfolds'. The act of demolition also give the opportunity to see the original single frames from the original composition; the second visitor discovers the images of the first one. A document of a certain time and space with the unique movements of the visitors bodies is created.

--- additional information ---

was man sieht: Wenn man sich in die Mitte des Ausstellungsraumes begibt steht man vor einer ca. neun Meter breiten und drei Meter hohen Projektion. Zur Linken und Rechten befinden sich nah an der Projektionswand ein Eingang und Aufgang. Auf der Projektion werden fortlaufend neue Bildausschnitte projiziert. Diese sehr schmalen vertikalen Bildausschnitte (Streifen) zeigen einen Ausschnitt der Person die in der Mitte des Raumes steht. Die stetige Aneinanderreihung von den zeitlich versetzten Bildausschnitten wieder holt sich von Links nach Rechts. Ausserdem sieht man auch weitere Ausstellungsteilnehmer an der Projektion vorbeilaufen. Durch dieses Vorbeilaufen jedoch, werden die aneinander gereihten Streifen teilweise breiter und zeigen größere Ausschnitte des anderen Betrachters in der Mitte des Raumes.

die Interaktion: Als Betrachter in der Mitte des Raumes bewegt man sich auf einem begrenzten Feld hin und her und vor und zurück. Durch diese Bewegung ändert sich die Breite der projizierten Bildstreifen und legt dadurch einen grö§eren Bildinhalt frei. Hat man zu erst eine Aneinanderreihung von Bildern seiner Nase gesehen, sieht man jetzt da man sich z.B. gedreht hat sein Ohr und alles andere was auf der selben Vertikalen liegt. Bewegt man weiter nach hinten werden die Streifen breiter. Man hat das Gefühl das man vor einem Scanner steht, nur das sich der Scanner nicht bewegt sondern das gescannte Subjekt. Weitere Betrachter, die sich direkt an der Projektion, vom Eingang zum Ausgang des Raumes bewegen verändern die Projektion auch. Sie ziehen wie an einem Vorhang Teile der Streifen wieder auf und bringen damit grö§ere Ausschnitte zu Tage. Es kombinieren sich jetzt sehr schmale Ausschnitte, die durch die Bewegung des Betrachter in der Mitte des Raumes entstehen und sehr breiten aufgefalteten Ausschnitte die wie Stills aus einem Video wirken.

die Technik: Eine digitale Videokamera (Cam 1), die direkt über der Projektion hängt filmt den Betrachter in der Mitte des Raumes. Dieses Videobild wird an einen Computer (min. Mac G4) übertragen. Eine zweite Kamera (Webcam, Cam 2) wird an der Decke des Raumes befestigt und erfasst die ganze Grundfläche des Raumes. Auch diese Signal wird an den selben Computer übertragen. Der Computer nutzt das Videobild von Cam 2 um die Position der Betrachter zu bestimmen. Das Videobild von Cam 1 wird mit unserem Programm bearbeitet, zerrfaltet und projiziert. An den Computer werden zwei Datenprojektoren angeschlossen. Die Bilder der beiden Projektoren verschmelzen auf der Leinwand zu einem kohärenten breiten Bild.

die Materialliste: - Raum 9m breit, 9m tief(abhängig von Projektoren), 5m hoch (abhängig von Webcam) - min. MAC G4 mit zwei USB-Anschlüssen, Firewire und zwei Anschlüsse für Displays, min. 300MB Arbeitsspeicher - Leinwand 8m*3m die Rückprojektion ermöglicht - zwei Projektoren gleicher Bauart für Rückprojektion möglichst Weitwinkelprojektoren - eine Videokamera mit Firewireanschluss - eine USB-Webcam mit niedriger LUX-Zahl möglichst kabellose mit Funkverbindung - zwei Scheinwerfer mit Scheuklappen um Lichteinfall genau zu begrenzen - ein Scheinwerfer mit Spotlight - Halterungen für Projektoren und Kameras - Stromkabel, langes Firewirekabel, mehrere Meter USB-Verlängerungskabel, zwei lange VGA-Kabel - 40m Holzbalken um Rahmen für Leinwand zu bauen, Schrauben und Dübel

--- short biography ---

Stephan Schulz studies Media Arts in his last year at University of Art in Berlin, Germany. He went with a DAAD scholarship for one year to Halifax, Canada where he got the opportunity to exhibit some of his new media work. Stephan also makes Animation movies with international screenings you shouldn't have missed.

Nelson Vergara, born in Colombia and since 1994 lives and works in Germany. He has studied Art in Colombia and at the University of Art in Berlin and has worked since than in numerous art-projects in Europe, Asia and America. He currently is a teacher in the fields of sound and image at the AKM, Berlin

--- similar projects ---

Björn Barnow hat 1997 an der UDK Berlin ein Projekt erarbeitet mit dem Namen "?". Er hat sich mit der Bewegung durch einen Zeit/Raumblock beschäftigt. Jedoch hauptsächlich mit 3 D Typographie. Kurze Zeit später kam ein (?…sterreicher?) Team mit dem TX-Transformer auf die Bildfläche. Sie haben einen Kurzfilm gedreht der die selbe Idee verwendet und auch gleich alle möglichen Effekte durch exerziert. In einem Promofilm wird das Verfahren didaktisch gut dargestellt. Es lassen sich der Zeit viele ähnliche Projektansätze im Netz finden. z.B. von denen auch Tanja erzählt hat ein Japaner. Jedoch scheint es, dass die meisten einen eher wissenschaftlichen Ansatz haben. Durch einen sogenanntes X-slitting kann man eine Art 3D Effekt mit realen Bilder erzeugen. Es gab aber auch schon frühere Ansätze, wie zum Beispiel Pippilotti Rist's Video (einer ihrer ersten) "i'm a girl that doesn't miss much" von 1986? in einem Fotokatalog von Koda 1981 sind Fotos abgebildet von Zieleinläufen von rudern oder Läufern. die Fotos ähneln sehr der Ästhetik der heutigen scanline arbeiten nur das diese halt auf Fotokameras entstanden sind. In einer Dokumentation der UDK Diplomarbeit mit dem Titel "der gedehnte Moment" (von kim kahle 2002) die sich mit so-genannten Bewegungsverschiebungen beschäftigt wird ein italienischer Fotograf erwähnt Anton Giulio Bragalia. Er allerdings nannte es nicht Bewegungsverschiebungen sonder "Trajektorien". seine Ambitionen waren durch die Futuristen Anfang des 9ten Jahrhunderts geprägt. Er war fasziniert von den Überlegungen, das unsichtbare sichtbar zu machen und eine Brücke zu schlagen zwischen Kunst und Wissenschaft. Er wollte mit seiner Fotografie die "intermomentanen" Sekunden sichtbar machen, eine Abersetzung von Zeit und Raum entwickeln. Vornehmlich fotografierte er mit Langzeitbelichtung Bewegungsunschärfen, anhand deren er seine Trajektorien zu erklären versuchte. Jedoch sind diese Fotos nicht ge-slicied sondern nur langzeit belichtet.

Zu erwähnen wäre noch camelie utterback, eine Künstlerin in New York die mit Timemirror eine interaktive Installation gebaut hat die genau diese scanlines benutzt. durch die Bewegung des Benutzers verändert sich ein projiziertes Bild man 'drückt' verschiedene streifen des Videos zeitlich weiterrein oder raus. In einem Bild sieht man die Überschneidung mehrerer Momente, jedoch bleibt die unbewegliche Architektur umverzerrt.

Tams Waliczky – Der Zeitkünstler, ist ein Artikel im Kunstforum, September 2000. Auch er hat mit dem zerlegen von Bewegungen gearbeitet. siehe Still aus "Sculptures", 1997.

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